Wohlstand anders denken

Tagungsband "Jetzt aber richtig!"

 

Der Tagungsband von Jetzt aber richtig! Lehren aus den aktuellen Weltkrisen

Um die Diskussion nicht mit der Fachtagung "Jetzt aber richtig! Lehren aus den aktuellen Weltkrisen" zu beenden, erschien im April 2012 das Buch "Wohlstand anders denken" in der Reihe FRAGEN DER ZEIT.

 

Bestellt werden kann das Buch im Buchhandel oder portofrei beim Centrum für Globales Lernen.

 

 

 

Bericht über die Tagung "Jetzt aber richtig! Lehren aus den aktuellen Weltkrisen"

Die Tagung „Jetzt aber richtig!- Lehren aus den aktuellen Wirtschaftskrisen“ bot zwölf ReferentInnen sowie über siebzig Teilnehmenden ein Forum, um über Lehren aus den Weltkrisen und ein neues Wohlstandsleitbild zu diskutieren. Ziel der Fachtagung war es, nach dem Aufzeigen der aktuellen Grenzen und Sackgassen, sich mit einem Umdenken im Bezug auf die gesellschaftlichen Ziele und Indikatoren auseinanderzusetzen und (neue) Gestaltungsmöglichkeiten zu eruieren.

Den Auftakt der Veranstaltung, organisiert durch das neu gegründete Centrum für Globales Lernen und der KHG Nürnberg, bildete ein Vortrag von P. Dr. Jörg Alt SJ. Dieser zeigte auf, dass unser Handeln, gleichzeitig aber auch das Nicht-Handeln nicht nur Folgen für die nachfolgenden Generationen hat, sondern sich bereits in unserer heutigen Zeit auf unser Leben auswirkt. Erkennbar ist dies u.a. durch zunehmende Wetterextreme, soziale Unruhen oder auch steigende Kriminalität.

Der sich diesem anschließende Beitrag setzte sich zum Ziel, die Sackgassen und Grenzen der momentanen, weltweiten Vorgehensweise zu thematisieren, sowohl in seiner ökologischen Dimension als auch in Hinblick auf die soziale Gerechtigkeit. Als Grundlage hierfür diente die Studie „Global, aber gerecht. Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen“, welche von Prof. Johannes Müller SJ, einem Mitautor der Studie vorgestellt wurde. Wichtiges Thema hier ist die Vulnerabilität, die Verletzbarkeit der armen Bevölkerungsgruppen. Sie sind es, für die nur schwer Schutz und Anpassung an die Folgen und Konsequenzen des Klimawandels möglich ist, wenngleich sie die geringste Verantwortung tragen.

Eine versicherungsökonomische Perspektive auf die Zunahme der immer häufiger auftretenden Naturkatastrophen ermöglichte Prof. Dr. Gerhard Berz (Präsentation), Honorarprofessor für Meteorologie an der LMU München und ehem. Leiter der „GeoRisikoForschung“ bei der Münchener Rück. Er verwies als Begründung hierfür auf die wachsende Weltbevölkerung und die Zunahme der Wertgegenstände (Versicherungsdichte). So deklariert erst der Eintritt eines Schadens ein stattgefundenes Naturereignis zu einer Naturkatastrophe. Gleichzeitig nannte er jedoch die sich ändernden Umweltbedingungen, den Klimawandel, als wesentliche Ursache.

Den Abschluss des ersten Tages bildet ein Zwiegespräch zwischen Ulrich Spörel vom Statistischen Bundesamt sowie Prof. K.H. Ruckriegel, Inhaber des Lehrstuhl für Makroökonomie, Geld-und Währungspolitik, Psychologische Ökonomie und Glücksforschung an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg. Ulrich Spörel (Präsentation) erläuterte in einem Überblick die weltweiten Forschungen und Publikationen zu Wohlstandsindikatoren, während Prof. Ruckriegel (Präsentation auf Anfrage per Email) die bisherige Vernachlässigung von subjektiven Indikatoren in der Wohlstandsdebatte aufwarf.

Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Wohlstand, Wachstum, Lebensqualität“ wurde durch die drei Bundestagsabgeordneten Dr. Thomas Gambke (Grünen), Sabine Leidig (DIE LINKE) und Stefanie Vogelsang (CDU) sowie einem Sachverständiger, Prof. André Habisch vertreten. In einer offenen Podiumsdiskussion erhielten die Abgeordneten die Möglichkeit, ihre Arbeit in den fünf Arbeitsgruppen vorzustellen. Trotz der Existenz von parteiabhängigen Unterschieden in der Schwerpunktsetzung, zeigte sich doch der Wunsch nach einem umfassenderen Indikatorensystem als gemeinsamer Nenner.

Detaillierte Hintergrundfakten konnte, dem sich anschließend, der Referent Malte Boecker (Präsentation) liefern. Er stellte Erkenntnisse aus Studien der Bertelsmann Stiftung vor, welche aufzeigten, dass die Mehrheit der Befragten nicht materielle Güter als Quelle für Glück und Wohlbefinden sehen, sondern hier vor allem immaterielle Werte und Güter eine große Rolle spielen.

Den regionalen Bezug stellte der Stadtkämmerer der Stadt Nürnberg, Harald Riedel, her, welcher die städtischen Aktionsfelder und Vorgehensweisen im Bezug auf die regionalen wie auch weltweiten Herausforderungen darstellte.

Den Abschluss der Vortragsreihe bildete Jan Grossarth, Wirtschaftsredakteur der FAZ. Dieser setzte durch die Vorstellung seines Buches und den damit verbundenen Erfahrungsbericht zu dem Thema „Vom Aussteigen und Ankommen“ einen weiteren Impuls.

Während bereits nach jedem Vortrag die Gelegenheit zur Diskussion geboten wurde, sammelten sich die zentralen Punkte gebündelt in einem World Café. In Kleingruppen erhielten die Teilnehmenden die abschließende Möglichkeit, sich unter anderem über die Option des freiwilligen Verzichts, Anregungen und Anmerkungen an die Enquete-Kommission sowie über das Thema, was die Gesellschaft notwendigerweise lernen muss, um den Herausforderungen begegnen zu können, auszutauschen.

Zu der Tagung wird ein Tagungsband „Wohlstand anders denken“ im Echter Verlag erscheinen und einzelne Vorträge und Ergebnisse unter www.centrum-fuer-globales-lernen.de dokumentiert. Ob, wie von einigen Anwesenden als Schlussfolgerung der Tagung gewünscht, eine Folgeveranstaltung stattfinden wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch offen. Dennoch zeigte sich als ein mehrheitlicher Konsens eine Forderung an die Enquete-Kommission nicht die ökonomischen Ziele und Indikatoren über die ökologischen und sozialen zu stellen, sondern hier – wenn nicht sogar eine Priorisierung von den beiden letzt genannten Punkten – zumindest den Gleichklang zu suchen. Ob jedoch die ledigliche Abänderung von Indikatoren und deren Messung zu einer anderen Entscheidungsgrundlage führen kann, das muss von der Politik noch bewiesen werden, getreu dem Sprichwort: Vom Wiegen wird das Schwein nicht fett.

 

Erstmals erschienen als Artikel in ZEP (ZEP Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik), Ausgabe 4/2011

 

Eine Übersicht über den Ablauf der Veranstaltung finden Sie auch unter stattgefundene Veranstaltungen.

 

Autoren: Samuel Drempetic und Barbara Lang

Samuel Drempetic leitet seit Januar 2011 das Centrum für Globales Lernen, eine Kooperation der Jesuitenmission und der Akademie CPH mit Sitz in Nürnberg.

Barbara Lang ist Studentin für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde auf Lehramt Gymnasium und freie Mitarbeiterin in der Akademie CPH